alltäglich

Leiwand am Radl, gegen Oasch am Radlweg

 

Auf dem zweirädrigen Schlitten, der in hippen Zeiten wie diesen gerne mal die 1000€ (die ich nicht hab) kosten darf, durch das kreisrunde Wien zu fahren ist ganz schön in Mode. Und noch dazu mehr als nur praktisch. Ich fahre täglich mit meinem 100€-Willhaben-Rad durch diese wunderbare Stadt. Die schmalen Rennrädern betrachte ich prinzipiell mit Skepsis, weil ich mir immer denke, sie würden nicht d’accord gehen mit dem Stil wie ich meine Hosen trage und kollidieren mit dem Stil, wie ich die Gleise überquere. Und Straßenbahngleise gibt es in Wien zu Genüge. Genau so wie hohe Randsteine, Pflastersteine, unebene Steinplatten und Kiesweg. Aber bleiben wir mal, so wie es sich auf den zwei Rädern gehört, am ganz normalen Radweg; Der, mit so manch einer kleinen Unterbrechung, eigentlich den gesamten Ring umschnürt und sich auch sonst durch einige Einbahnen und entlang so mancher Ubahnlinie durch Wien schlängelt. Ich schätze meine Lieblingsstadt sehr für ihre Radfreundlichkeit, ich liebe es den Ring entlang zu „fetzen“ und mich auf meinem Rad zu fühlen, als würd ich auf der alten Yamaha XT 500 von meinem Vater sitzen. Oder wenn du die Burggasse hinunterrast und eine grüne Ampel nach der anderen erwischt. Geil! Weniger, jedoch liebe ich jene Personen, die gerne den Radweg zu Fuß überqueren; oder Zeitweise auch für ein Selfie am Ring besetzen, auf dem Radweg flanieren als wäre es ihr Walk of Fame, den Radweg als Gruppentreffpunkt bestimmen oder einfach quer über den Radweg gehen, die Augen abwechselnd auf das Smarte Phone oder die Wienkarte gerichtet, den Selfiestick in einem gefährlichen Winkel vom Körper wegstehend halten und sämtliche Personen am Rad zu einer Vollbremsung oder einem höchst actionreichen Ausweichmanöver zwingen.

Wer ist da wem im Weg?

Eine solche Vollbremsung wurde gestern, an einem wunderschön sonnigen Sonntag, an dem ich spät nachmittags auf dem Weg von 1050 nach 1020 unterwegs war, schockartig gleich drei mal in Folge zur Realität. Ausweichen war aufgrund weiterer mich umgebenden Touristen und blinden PassantInnen nicht möglich, meine Klingel betätigen zwecklos. Abgesehen davon bremse ich dann doch gerne knapp vor oder neben den IgnorantInnen ab, da sie dann eher bemerken, dass sie gerade mitten am bunt gefärbten und mit Schildern markierten und mit Bodenmarkierungen gekennzeichneten RADWEG verweilen und sich die Sightseeing-Herumsteherei geben. Wer ist da wem im Weg? Es passiert mir nämlich recht selten, dass sich Personen nach einer solchen beinahe-Karambolage mit einem leisen, beschämten „sorry..!“ entschuldigen. Ansonsten werde ich zumeist böse angestarrt, manchmal auch beschimpft oder sogar einfach vom Radweg weggedrängt. Aha? Ich darf da also nicht fahren, Selfie machen ist aber erlaubt. Eh klar, am Gehweg sind ja auch zu viele Leute im Bild, dann lieber am Radweg stehen; da is auch der Blick auf die schönen Gebäude einwandfrei, ge? Und wehe ich erlaube mir, auf den Gehweg auszuweichen, dann wird mir bestimmt in unklarem Wortschatz hinterhergewütet. Been there, done that!

Film2058_29

Radfahren in Wien soll also gelernt sein. Und ohne grell blinkendes Warnlicht in alle Richtungen und schriller Klingel trau ich mich sowieso nicht mehr auf die Straßen. Helm am Kopf seit vergangenem Sonntag: sowieso! Da versteh ich auch endlich die aufmerksamkeitsgeilen Neonlicht-Radler am Donaukanal. Wer in Wien mit dem Rad schnell von A nach B kommen will muss sich also im Eldorado der Radwege auskennen und auf der Hut sein, wenn diese für einen kurzen Umweg verlassen werden. Denn, wer die Radwege nicht benützt und mal die eine oder andere Einbahn nimmt, kann sich sicher sein, dass an der nächsten Ecke ein wütender Taxler oder ein dich absichtlich übersehender Busfahrer wartet um seine 9to5-Wut an dir auszulassen. „Bist ogrennt, du Gschissana? Wos is mit dia du Vollidiot am Radl! Pass auf heast!“

Endlich wieder Frühling, endlich wieder alle draußen! ❤

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