poesie

Müdigkeit

Bleischwer und von einem schwindeligen Rauschen durchdrungen liegt mein Körper ruhelos ruhig da. Waagerecht aber ohne Balance gleite ich Schicht für Schicht tiefer in mein Deckenmeer. Ich starre, wo auch immer mein Blick landet; verschwommen und unkonzentriert versucht meine Iris vergeblich Fokus zu finden. Sie weigert sich schließlich. Mein Zimmer ist erleuchtet vom Tag-Sein draußen. Auf die Uhr schauen bedeutet den Körper drehen und die Wanduhr finden; keine Chance, keine Mühen. Blinzeln ist anstrengend, weil die Augenlieder wie schwere Segel wirken, die nur mit Mühe in der oberen Hälfte meines Sehhorizonts verweilen wollen; immer wieder rutschen sie ab, rollen über meinen Augapfel herab und hüllen mein Sichtfeld für wenige Sekunden in tiefes Schwarz. Meine Gedanken fühlen sich nicht sicher genug um zu bleiben, also verstecken sie sich. Sie versuchen sich von sich selbst abzulenken; Lenken sich ins Nichts hinein, in die Leere, in die Weite. Weiten sich aus, bis mein Kopf einem mit Nebel überzogenen Moor gleicht, über dem seidengleich der Dunst schwebt. Ich denke alles gleichzeitig und nichts so wirklich. Es gibt kein Verstecken mehr, denn dann stecken wir. Ich will mich ausbreiten und wie der Nebel breit und ruhig über die Felder ziehen; Mich flach über alles legen, was mir zugrunde liegt. Ich will blickdicht und bewusst bedecken und umarmen, was mich ausmacht.

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Irgendwas wollte ich tun. Kann mich aber nicht erinnern. Mein Smartes Phone liegt dumm und stumm mit schwarzem Bildschirm in meiner Hand. Eine sehr vertraute Berührung. Ich starre meine Finger an und warte, ob sie sich zu einer Bewegung, einer minimalen, motivieren können. Sie scheinen genauso bewegungslos zu sein wie der Rest meines Körpers. Meine Augen starren Löcher in die Umgebung um mich herum und graben somit tiefer und tiefer in das Universum in mir. Ich gehe verloren in den Mustern und Objekten, die meine Aufmerksamkeit erhaschen und gerate dadurch in den hypnotisierenden Sog meines surrenden stand-by Bewusstseins. Alles kann warten, weil gerade nichts beginnt. Es ist, als hätte ich vergessen, wie es geht. Wie alles geht und wie ich tun soll. Ich höre den Kühlschrank leise surren und surre innerlich mit ihm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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