alltäglich

Die Haderei mit dem Wohnen

Ich zieh nie wieder um! Und he tausend Dank für alle verschwitzen Freunde, die ich verbraucht hab die vergangenen sieben Jahre. Sieben Jahre Wien, sechs Umzüge. Fünf davon im Hochsommer. Alle davon ohne eigenes Auto. Drei davon ohne Lift.

Ich zähle mich zu jenen Menschen, die Veränderung und konstanten Wandel mit offenen Armen begrüßt und Umschwung im Leben neugierig willkommen heißt. Aber wie kommt’s dazu, dass ich in meinem momentanen Rhythmus nie länger als vier Jahreszeiten in einer Wohnung – im selben Bezirk – verbleibe? Sehr schnell habe ich gelernt, mir die Frage des  „Wie kommt’s dazu?“ zumindest in Bezug auf meine Wohnungssituation nicht mehr zu stellen und habe mich stattdessen darum gekümmert, die beste Wohnung Wiens zu finden. Und zwar jedes einzelne Mal. Und jedes Mal endete ich erblindet vorm Laptopbildschirm, verwirrt von zu vielen Zahlen und mit unzähligen, in den vergangenen Wochen angesammelten Wohnungsanzeigen aus Willhaben, Facebook und Co., desillusioniert und deprimiert. Stundenlang suche ich mich durch das Universum der Falschanzeigen und doch-zu-teuer-aber-leider-geil-Wohnungen. „Hätt i – war i!“
Wien hat wunder, wunderschöne Wohnungen. Und Wien hat Überbleibsel. Substandard für die Sub-Klassen. Wo dann eher mein Budget ins Spiel kommt. In Wien eine Wohnung zu finden, wurde für mich in den vergangen sieben Jahren zu einer Herausforderung. Nicht nur finanziell, sondern auch rein organisatorisch. Du musst ständig auf der Hut sein, dich umhören, ja (!) kein Angebot verpassen. „He meine Freundin sucht wen.“ Zwei Stunden später war schon die Tanja, Publizistikstudentin, steht auch voll auf Wein und Curry, am Telefon und hat die Zusage. Du kannst dich nicht entscheiden; Zweifel über die eigene Entscheidungsfähigkeit und dem Sinn zur Logik. Soll ich nicht doch 50€ mehr drauflegen, dafür hab ich dann endlich Licht im Zimmer und die Küche hat einen kleinen Balkon (Straßenseitig)? Will ich dieses Mal mehr – endlich den Luxus einer Badewanne? Oder einen Garten; bitte aber nicht außerhalb der Stadt!

Next up:  das Geld für den Makler. Die Kaution. Vertragsgebühren. Ein Wohnungswechsel kann verdammt teuer werden. Und dann hast du alle Sparbücher und Sparkonten geplündert, deine Eltern und Freunde des Vertrauens angeschnorrt, hast die Kaution auf das Sparbuch gepackt und sitzt in deiner neuen Wohnung. Ganz schön leer ohne Kühlschrank, Kästen, ohne Tische und eine Couch fehlt auch noch. Die Waschmaschine wird wohl irgendwo im Keller sein, duschen ohne Duschvorhang is kälter und anstrengender als sonst.

telefonzelle.jpg

Ein Umzug setzt sich zusammen aus aufeinanderfolgenden Etappen. Ist eine Wohnung erste einmal dein Eigentum, beginnt die präwohnliche Phase. Die Wohnung muss eingeräumt und organisiert werden. Im Laufe der Jahre haben sich in meinen Kisten und Taschen viele tolle Dinge angesammelt; einige davon trage ich stolz seit sieben Jahren von Wohnung zu Wohnung. Das Größte davon ist eine Kommode für all meine Kleidung. Nicht breiter als eine Armlänge, nicht höher als meine Hüfte. Und mein Bett, aber  das is quasi zusammenklappbar zu vier Brettern. Dennoch, ich hab nicht viel. Ich muss ein weiteres Mal, ein sechstes Mal in diesen sieben Jahre, die weiten Welten des Konsumurwaldes durchforsten und mir mit tausenden anderen Kaufgeilen und Bedürftigen den Onlinemarkt teilen, wir werden uns gegenseitig über- und unterbieten und hoffen, dass sich aus diesen Geschäften dann eine wohnliche Umgebung schaffen lässt. Wohnen soll gelernt sein.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s